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„Umkehr zur Lokalisierung“ - diesem Motto fühlt sich Kornkraft Hosüne verpflichtet. Es greift einen der wichtigen Grundgedanken der Ökologie-Bewegung auf. Wir sprachen mit Sabine und Jochen Schritt, den Gründern und Eigentümern von Kornkraft, über dieses Konzept und über die Unternehmensphilosophie ihrer Firma. 

 

Ein kraftvoll geschwungener Pfeil, der die Worte „Umkehr zur Lokalisierung“ einrahmt, dieses Logo sieht man auf Eurer Homepage und bei Euren Messeauftritten. Warum habt ihr dieses Logo gerade jetzt in Euren Marktauftritt aufgenommen? Ist das der Start einer besonderen „Kampagne“?

 

 

Jochen Schritt: Das ist keine Kampagne, sondern ein Appell, der auf einer sehr klaren Weltanschauung beruht: Ökonomische Aktivitäten müssen immer von lokalen, nie globalen Volkswirtschaften ausgehen. Die moderne industrielle Agrarwirtschaft hat ja zu verheerenden Ergebnissen geführt, die wir alle kennen. Die explodierenden Energiepreise und die sich weltweit anbahnende Ressourcenknappheit sind ja nur eine der vielfältigen Folgen. Deshalb wollen wir globale Wirtschaftskreisläufe durch lokale ökologische Wirtschaftskreisläufe ergänzen und zeigen, dass dies ein sinnvoller wirtschaftlicher Ansatz ist, der Arbeitsplätze schaffen und zu einer gesunden Region beitragen kann. Das steigert dann auch die Attraktivität des Standorts, an dem wir alle wohnen. Wir fühlen uns verantwortlich für die Region, in der wir leben und arbeiten und wollen diese fördern.

 

 

Was tut Euer Unternehmen Kornkraft, um diesen Anspruch der „Lokalisierung“ umzusetzen?

 

 

Jochen Schritt: Wir haben drei zentrale Aufgaben für Kornkraft definiert: Zum einen sind wir Partner für die Vermarktung regionaler Erzeuger und Hersteller und der Lieferant für den Naturkostfachhandel und Verarbeiter. Zweitens haben wir uns die Förderung der ökologischen Entwicklung der Region zum Ziel gesetzt. Drittens wollen wir neue Impulse setzen im Naturkostmarketing des Nordens durch die Initiative für ein ökologisches Regionalmarketing.
Sabine Schritt: Im Einzelnen sind das viele Maßnahmen, die da ineinander greifen. Einmal unterstützen wir die regionalen Erzeuger durch faire Verträge und Anbauabsprachen. Wir helfen den Naturkost-Einzelhändlern durch Unterstützung bei der Ladengestaltung, EDV-Support, Werbemaßnahmen, Verkaufsschulungen und vielem anderen mehr. Den Mitarbeitern und Auszubildenden unserer Kunden bieten wir eigene Schulungsprogramme und Seminare an. Wir fördern die Zusammenarbeit aller Partner in der Naturkost-Branche untereinander, damit können wir zusammen am Markt schlagkräftiger auftreten. Dazu schaffen wir – etwa auf unseren Hausmessen – viele Gelegenheiten zum direkten Kennenlernen und Meinungsaustausch. Darüber hinaus haben wir mit unserem Konzept „Bio von hier“ ein Marketinginstrument geschaffen, mit dem sich unsere Kunden mit über 900 regionalen Produkten profilieren können. Außerdem können die Endverbraucher anhand der Kennzeichnung der Produkte mit „Bio von hier“ gezielt regional erzeugte Waren auswählen.

 

 

Was tut Kornkraft eigentlich sonst, um anderen ein Vorbild im ökologischen Bereich zu sein?

 

 

Jochen Schritt: Wir achten in allen Stufen des Produktions- und Lieferprozesses darauf, dass höchste Umweltverträglichkeit herrscht. Unsere LKW-Flotte fährt schon seit einigen Jahren mit Bio-Diesel und abgasarmer, schadstoffreduzierter Technik. Rußfilter werden ebenso selbstverständlich eingesetzt wie Langzeitölfilter. Die Kühlaggregate der LKW sind mit besonders lärmarmer Technik ausgestattet, um die Lärmbelästigung beim Anlieferverkehr zu minimieren. Unseren Strom beziehen wir von der Naturstrom AG in Düsseldorf und seit Herbst 2005 setzen wir zum Heizen unseres Lagers regenerative Energien ein. Wir nutzen einen Holzheizkessel, der auch geeignetes Holz aus dem laufenden Betrieb (Holzkisten, Einwegpaletten) aufnehmen kann. Beim Bau und Umbau unserer Betriebsgebäude achten wir auf baubiologische Gesichtspunkte. Und seit 2008 erzeugen wir auch mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach unseres Lagergebäudes einen Teil unseres eigenen Stroms. Die Anlage  hat eine Leistung von 27 kW Peak. Dies entspricht einer Produktion von 20.000 kWh/Jahr und liefert den durchschnittlichen Stromverbrauch von  4.500 kWh für vier 4-Personen-Haushalte. Außerdem beschattet die Photovoltaik-Anlage das Dach, was zu einer geringeren Erwärmung in den Sommermonaten führt und den Energiebedarf für die Kühlung herabsetzt.

 

 

Wodurch zeichnet sich Kornkraft gegenüber anderen Wettbewerbern auf dem Markt aus?

 

 

Sabine Schritt: Wir sind ein Familienunternehmen und führen unseren Betrieb sehr persönlich, sehr individuell. Letztendlich hängt in unserer Branche der Erfolg vom persönlichen Kontakt zum Kunden ab. Ihm gegenüber sind wir zuverlässiger Dienstleister und strukturieren unser Sortiment bedarfsgerecht. In den Frischebereich investieren wir immer stärker, um die stetig steigenden Ansprüche der Endverbraucher an Qualität, Geschmack und absolute Rückstandsfreiheit zu erfüllen. Und drittens müssen Bestellung und Lieferung inzwischen fast rund um die Uhr möglich sein. Diese drei Elemente eines modernen Naturkost-Großhandels weiter zu optimieren, darum bemühen wir uns jeden Tag.

Jochen Schritt: Wir investieren viel in die Ausbildung und innerbetriebliche Fortbildung und schaffen entsprechend viele Ausbildungsplätze. Seit 1981 haben bei uns rund 25 Jugendliche ihre Ausbildung erfolgreich absolviert. Hinzu kommen die Auszubildenden unserer Kunden, die an unseren Schulungsmaßnahmen teilgenommen haben. Die Anzahl der von uns angebotenen und besetzten Ausbildungsplätze haben wir in den letzten Jahren auf 13 Ausbildungsplätze steigern können. Wir begreifen die Ausbildung junger Menschen als soziale Aufgabe, der wir gerne nachkommen. Ein wenig „Eigeninteresse“ ist natürlich auch dabei, denn wer auf dem sich weiterentwickelnden Markt für Naturkost mitwachsen möchte, benötigt gute und motivierte Mitarbeiter, die bekanntlich nicht vom Himmel fallen. Mit unseren Ausbildungsangeboten tragen wir dazu bei, dass in Zukunft ausreichend Fachkräfte für unsere Branche bereitstehen.
Und wir sind drittens sehr konsequent: Der Kunde kann bei uns darauf vertrauen, dass alle Waren, die er erhält, höchsten Qualitätsansprüchen in ökologischer Hinsicht und in der Frische entsprechen. Da sind wir die härtesten Kontrolleure unserer selbst.

 

 

Welche Ziele habt ihr euch für die nächsten Jahre gesteckt?

 

 

Sabine Schritt: Eine starke Unterstützung des Naturkostfachhandels liegt uns am Herzen. Deswegen haben wir Instrumente wie „Bio von hier“ zur Profilierung entwickelt. Denn von einer klaren Positionierung am Markt wird die Zukunft des Fachhandels abhängen und hier wollen wir Partner sein und stimmige Konzepte anbieten. Wenn uns dies gelingt, wird Kornkraft auch das 50. und 100. Jubiläum feiern können.

Jochen Schritt: Deshalb macht es auch Sinn, die Voraussetzungen für weiteres Wachstum zu schaffen. Dafür haben wir eine neue Lagerhalle mit rund 1.000 Quadratmetern gebaut und unseren Mitarbeiterstamm erweitert. Die Umsatzgrenze von 10 Millionen Euro haben wir bereits genommen und arbeiten weiter zielstrebig auf 15 Millionen Euro in drei bis fünf Jahren hin. Außerdem wünschen wir uns, dass die Region Weser-Ems zu einem ökologischen Vorzeigeprojekt wird. Es soll deutlich werden, dass die Naturkostbranche Arbeitsplätze schaffen und ihren Beitrag für eine gesunde Region leisten kann, in der es sich wirklich zu leben und zu arbeiten lohnt!

 

Kornkraft ist Mitglied im demeter-Verband und im Bundesverband Naturkost/Naturwaren.
Huntlosen, Oktober 2008


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